In der Welt der Formel 1 sorgte die Nachricht über Christian Horners Ausscheiden bei Red Bull für Aufsehen. McLaren-CEO Zak Brown zeigte sich von dieser Entwicklung allerdings wenig überrascht. Die Entlassung des langjährigen Teamchefs, der seit dem F1-Debüt des Teams im Jahr 2005 an der Spitze stand, wirft ein Schlaglicht auf die Veränderungen im Kräfteverhältnis der Königsklasse des Motorsports.
Der unerwartete Abgang eines Formel-1-Urgesteins
Nur drei Tage nach dem Großen Preis von Großbritannien am 9. Juli 2025 verkündete Red Bull die Trennung von Christian Horner. Nach 20 Jahren in der Führungsposition musste der 51-jährige Brite seine Posten als CEO und Teamchef räumen. Seine Nachfolge trat Laurent Mekies an, der zuvor das Schwesterteam Racing Bulls leitete.
Die Entscheidung fiel inmitten der laufenden Saison, nach zwölf absolvierten Rennen des Jahres 2025. Für viele Beobachter kam der Zeitpunkt überraschend, nicht jedoch für McLaren-Chef Zak Brown: „Vielleicht hat mich das Timing etwas überrascht, aber nicht das Ergebnis an sich. In den letzten Jahren gab es dort viel Drama, und es schien nicht ruhiger zu werden – vielleicht wurde es sogar schlimmer.“
Horners Abgang steht im Kontext eines deutlichen Leistungsabfalls des Teams. Nach der Dominanz in der Saison 2023 rutschte Red Bull 2024 auf den dritten Platz ab und belegt aktuell nur den vierten Rang in der Konstrukteurswertung 2025. Dies scheint ein entscheidender Faktor für seine Entlassung gewesen zu sein.
Allerdings schwelten bereits seit längerem interne Konflikte. Vor 17 Monaten sah sich Horner mit Vorwürfen unangemessenen Verhaltens einer weiblichen Mitarbeiterin konfrontiert. Obwohl er nach einer internen Untersuchung freigesprochen wurde, stand seine Position seitdem auf wackeligen Beinen.
Machtkämpfe und Leistungsabfall bei Red Bull
Der Abgang Horners muss auch im Kontext der Machtkämpfe innerhalb des Red-Bull-Konzerns betrachtet werden. Nach dem Tod des Firmengründers Dietrich Mateschitz veränderten sich die internen Strukturen erheblich. Diese Machtverschiebungen haben vermutlich zu Horners Entlassung beigetragen.
Die sportliche Entwicklung des Teams verlief in den letzten Jahren wie eine Achterbahnfahrt:
- 2023: Dominanz mit Konstrukteurs- und Fahrertitel
- 2024: Abstieg auf den dritten Platz
- 2025: Weitere Verschlechterung auf Rang vier
- Zunehmende Konkurrenz durch McLaren und andere Teams
Trotz dieser Turbulenzen bleibt Max Verstappen ein ernstzunehmender Titelkandidat, wie Brown betont: „Sie haben immer noch Max, der an die Tür klopft, darauf müssen wir achten.“
Über Horners Zukunft kann nur spekuliert werden. Brown vermutet, dass der erfahrene Manager dem Motorsport treu bleiben wird: „Angesichts seines Alters und seiner Geschichte im Rennsport wäre ich überrascht, wenn er nicht irgendwo im Motorsport wieder auftauchen würde. Aber ich kenne seine anderen Interessen nicht, vielleicht möchte er auch ein Fußballteam leiten. Wir werden sehen.“
| Team | Position 2023 | Position 2024 | Position 2025 (aktuell) |
|---|---|---|---|
| Red Bull Racing | 1 | 3 | 4 |
| McLaren | 4 | 1 | 1 |
McLarens Aufstieg und zukünftige Ambitionen
Während Red Bull mit internen Problemen kämpft, erlebt McLaren unter Zak Browns Führung einen bemerkenswerten Aufschwung. Das britische Team beendete die Red-Bull-Dominanz durch den Gewinn der Konstrukteurs-Meisterschaft 2024 und ist auf bestem Wege, den Titel in diesem Jahr zu verteidigen.
Besonders spannend gestaltet sich der interne Kampf zwischen den McLaren-Piloten Oscar Piastri und Lando Norris um die Fahrerweltmeisterschaft 2025. Der Rennstall könnte damit seinen ersten Fahrertitel seit Lewis Hamilton im Jahr 2008 feiern.
Browns Ambitionen reichen jedoch weit über die Formel 1 hinaus. McLaren ist auch in anderen Rennserien aktiv, wie der IndyCar-Serie, und plant 2027 die Rückkehr nach Le Mans mit einem Engagement in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).
Im Gespräch mit TSN skizzierte Brown die umfassenden Ziele des Traditionsrennstalls:
- Gewinn des Indianapolis 500
- Sieg in der IndyCar-Meisterschaft
- Weitere Formel-1-Konstrukteurstitel
- Formel-1-Fahrertitel
- Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans
- Triumph in der Langstrecken-Weltmeisterschaft
„Bisher haben wir nur eines dieser Ziele erreicht, nämlich die Konstrukteurs-Meisterschaft. Aber im Ernst, ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Allerdings gibt es noch viel unerledigte Arbeit“, betonte Brown, der seit 2018 als CEO von McLaren Racing fungiert.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen eindrucksvoll die Dynamik der Formel 1, in der Machtverhältnisse sich schnell verschieben können. Während Red Bull mit Horners Abgang eine Ära beendet, scheint McLaren bereit, eine neue erfolgreiche Epoche einzuläuten.


