Audi gibt zu : „Wir müssen jetzt wieder auf Kurs kommen

Audi gibt zu : "Wir müssen jetzt wieder auf Kurs kommen

In einer Zeit, in der die Luxusautomobilindustrie einen harten Wettbewerb erlebt, steht Audi vor erheblichen Herausforderungen. Der deutsche Premiumhersteller mit den vier Ringen durchläuft eine Phase der Neuorientierung, wie CEO Gernot Döllner kürzlich in einem offenen Gespräch mit dem deutschen Magazin Bild einräumte.

Die aktuelle Situation von Audi im Premiumsegment

Die Verkaufszahlen von Audi sprechen eine deutliche Sprache. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Ingolstädter Konzern einen Rückgang von 11,8 Prozent auf 1,67 Millionen Fahrzeuge. Die erste Hälfte des Jahres 2025 zeigt leider keine Trendwende. Bis Juni sanken die Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um weitere 5,9 Prozent auf 783.000 Einheiten.

Gernot Döllner nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich will nicht um den heißen Brei herumreden, wir müssen jetzt wieder auf Kurs kommen.“ Diese Offenheit ist bemerkenswert für einen CEO eines der renommiertesten Automobilhersteller weltweit. Gleichzeitig gibt er sich optimistisch: „Ich denke, wir durchschreiten gerade den Tiefpunkt.“

Die Konkurrenz schläft nicht. BMW und Mercedes liegen im Rennen um die Spitzenposition im Luxussegment derzeit vorn. Ein Vorstandsmitglied des Volkswagen-Konzerns wird von Bild sogar mit den Worten zitiert, Audi sei „unser Krisenfall“ und die Produkte seien lediglich „okay – Durchschnitt“.

Die folgende Tabelle zeigt die Verkaufsentwicklung von Audi im Vergleich zu seinen Hauptkonkurrenten:

Hersteller Verkäufe 2024 Verkäufe 1. Halbjahr 2025 Veränderung
Audi 1,67 Millionen 783.000 -5,9%
BMW höher als Audi führend positiv
Mercedes höher als Audi führend positiv

Neuanfang mit frischen Modellen und einer emotionalen Überraschung

Nach einer langen Durststrecke mit wenigen Neuheiten bringt Audi nun zahlreiche frische Modelle auf den Markt. Fahrzeuge wie der Q3, Q5, A5 und A6 sollen Kunden von den Wettbewerbern zurückgewinnen. Dieser Modellschwung könnte die dringend benötigte Wende bringen.

Der wirkliche Paukenschlag steht jedoch noch bevor. Für diesen Herbst kündigt Döllner ein Konzeptfahrzeug an, das intern als „TT Moment 2.0“ bezeichnet wird. Dieses Fahrzeug soll als „Identitätsbildner“ fungieren und den Erfolg des ikonischen TT wiederholen, der Ende der 1990er und Anfang der 2010er Jahre das Image von Audi prägte.

„Ich habe ein Bauchgefühl, dass wir an der Schwelle zu einem solchen TT-Moment stehen“, erklärt Döllner. Dabei wird es sich weder um einen neuen TT noch um einen R8-Nachfolger handeln, sondern um „etwas dazwischen“ – einen „hochgradig emotionalen Sportwagen“.

Dieses Konzeptfahrzeug soll die folgenden Merkmale aufweisen:

  • Eine völlig neue Designsprache
  • Neueste Technologien der nächsten Generation
  • Fortschrittliche Hardware, die in bisherigen Modellen nicht zum Einsatz kam
  • Vollelektrischer Antrieb
  • Potenzial für eine Serienversion innerhalb der nächsten zwei Jahre

Strategische Neuausrichtung zwischen Tradition und Elektrifizierung

Obwohl das kommende Konzeptfahrzeug vollelektrisch sein wird, bedeutet dies nicht, dass Audi Verbrennungsmotoren aufgibt. Der ursprüngliche Plan, ab 2032 nur noch Elektrofahrzeuge anzubieten, wurde bereits auf mindestens Mitte des nächsten Jahrzehnts verschoben. Diese Anpassung spiegelt die Realitäten des Marktes wider.

Die offizielle Enthüllung des Konzeptfahrzeugs wird voraussichtlich im September auf der IAA Mobility Show in München stattfinden. Es soll ein „neues Audi“ repräsentieren und könnte den Wendepunkt markieren, den die Marke dringend benötigt.

Interessanterweise ist Döllner nicht der erste hochrangige Audi-Vertreter, der Probleme einräumt. Oscar da Silva Martins, Leiter Produkt- und Technologiekommunikation, gab bereits Anfang des Jahres in einem Interview mit Motor1 Deutschland zu: „Wir waren in der Vergangenheit sicherlich besser in Sachen Qualität, aber wir werden dahin zurückkehren.“

Parallel zur Neuausrichtung in den traditionellen Märkten hat Audi in China eine neue Marke ins Leben gerufen. Diese trägt verwirrenderweise ebenfalls den Namen „AUDI“ (in Großbuchstaben), wird jedoch ausschließlich Elektrofahrzeuge anbieten und keines davon wird das traditionelle Vier-Ringe-Logo tragen. Der E5 Sportback mit übergroßem „AUDI“-Schriftzug ist das erste Modell dieser neuen Marke, die ausschließlich für den chinesischen Markt konzipiert ist.

Diese doppelte Strategie verdeutlicht, wie Audi versucht, einerseits seine traditionellen Stärken zu bewahren und andererseits den Anforderungen neuer Märkte und Technologien gerecht zu werden. Der Weg zurück an die Spitze des Premiumsegments wird kein leichter sein, aber mit den angekündigten Maßnahmen zeigt die Marke mit den vier Ringen, dass sie entschlossen ist, ihre Position zurückzuerobern.

Maximilian Hoffmann
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