Die Formel 1 erlebte beim Großen Preis von Belgien ein aufregendes Wochenende mit einem McLaren-Doppelsieg durch Oscar Piastri und Lando Norris. Die Rennserie begibt sich nun nach Ungarn für das 14. Rennen, bevor die Sommerpause beginnt. Wir analysieren die wichtigsten Themen nach dem spannenden Rennwochenende in Spa-Francorchamps.
Lewis Hamiltons Formkrise: Ein vorübergehendes Phänomen?
Lewis Hamilton erlebte in Belgien ein schwieriges Wochenende, das jedoch nicht repräsentativ für seine jüngste Formkurve ist. Nach einem holprigen Saisonstart bei Ferrari hatte der siebenfache Weltmeister seit dem Grand Prix in Miami einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Sein durchschnittlicher Qualifikationsrückstand auf Teamkollege Charles Leclerc betrug nur 0,05 Sekunden, und er hatte Leclerc in drei der vier vorangegangenen Rennen im Qualifying übertroffen.
In Spa-Francorchamps gab Hamilton selbst zu, dass seine Fahrleistungen in beiden Qualifyings „inakzeptabel“ waren. Es gab jedoch mildernde Umstände:
- Neue Bremscharakteristika am Fahrzeug, die Leclerc bereits seit Kanada verwendet hatte
- Eine neue Hinterradaufhängung, die ein tieferes Absenken des Fahrzeugs ermöglicht
- Ein Wechsel des Dateningenieurs mitten in der Saison
- Eine Überschreitung der Streckenbegrenzung in Raidillon während des Grand-Prix-Qualifyings
„Es ist nicht einfach, mitten in einer Saison den Ingenieur zu wechseln,“ erklärte Hamilton. „Er ist jemand, den ich seit Jahren kenne und der in meinem früheren Team mit mir zusammengearbeitet hat, aber nicht in dieser Position. Wir gewöhnen uns aneinander und müssen superschnell lernen.“
Die Änderungen am Fahrzeug überraschten sowohl Hamilton als auch seinen neuen Ingenieur. Seine Geschwindigkeit war jedoch nicht das Problem – er lag in seiner schnellsten Runde vor der Streichung fast gleichauf mit Leclerc. Es gibt also keinen Grund zur Sorge über einen grundlegenden Leistungsabfall bei einem der erfolgreichsten Fahrer der Formel-1-Geschichte.
Red Bulls Motorenherausforderung für 2026
Die Formel 1 steht vor einem bedeutenden Reglement-Wechsel im Jahr 2026, der insbesondere die Antriebseinheiten betrifft. Red Bull wird dann erstmals mit einer eigenen Motorenabteilung, Red Bull Powertrains, antreten. Die Gerüchteküche brodelt bereits über die potenzielle Leistungsfähigkeit dieses neuen Motors.
| Hersteller | Aktueller Entwicklungsstand | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Mercedes | Leichter Vorteil bei Verbrennungsmotorleistung | Erfahrener Hersteller mit durchgängigen Erfolgen |
| Red Bull Powertrains | Noch unbekannt | Neuer Hersteller, arbeitet mit Ford zusammen |
| Ferrari | Konkurrenzfähig | Längste Geschichte in der Formel 1 |
| Alpine/Renault | In Entwicklung | Umstrukturierung der Motorenabteilung |
Die 2026er-Motoren werden etwa 50% ihrer Leistung aus elektrischen Komponenten beziehen und mit nachhaltigen Kraftstoffen betrieben. Die relative Leistungsfähigkeit der verschiedenen Hersteller wird sich erst im nächsten Jahr wirklich abzeichnen. Obwohl Branchengerüchte Mercedes einen kleinen Vorsprung bei der Verbrennungsmotorleistung zusprechen, arbeiten alle Hersteller isoliert voneinander.
Was bedeutet dies für Max Verstappens Zukunft? Quellen zufolge plant Verstappen, bei Red Bull zu bleiben. Angesichts der Ungewissheit über die Leistungsfähigkeit aller Antriebseinheiten unter dem neuen Reglement erscheint dies als logische Entscheidung. So kann er die Situation 2026 bewerten und hätte im Falle von Problemen vertragstechnisch einfachere Möglichkeiten zu wechseln.
Sicherheit bei Regenrennen: Die Balance finden
Nach dem Großen Preis von Belgien wurde die Herangehensweise der FIA an Regenrennen diskutiert. Einige Fahrer, darunter Max Verstappen, meinten, das Rennen hätte planmäßig um 15:00 Uhr Ortszeit starten können, und die Unterbrechung wäre unnötig gewesen, wenn man die Autos einige Runden länger hätte fahren lassen, um Wasser von der Strecke zu verdrängen.
Die Rennleitung befand sich jedoch in einer schwierigen Position. Nach einem Vorfall in Silverstone, bei dem Isack Hadjar aufgrund schlechter Sicht in das Mercedes von Kimi Antonelli krachte, hatten die Fahrer selbst um vorsichtigere Starts bei Regen gebeten. Zudem müssen die besonderen Gefahren in Spa berücksichtigt werden, wo in den letzten Jahren tragische Unfälle passierten:
- 2019: Anthoine Hubert verunglückte tödlich, nachdem er nach einem Unfall auf die Strecke zurückgeschleudert und von einem anderen Fahrzeug getroffen wurde
- 2023: Dilano van ‚t Hoff starb unter ähnlichen Umständen in einem Nachwuchsrennen
Oscar Piastri brachte es nach dem Rennen auf den Punkt: „Vielleicht hätten wir eine Formationsrunde weniger fahren können. Aber im großen Ganzen betrachtet: Wenn das eine Runde zu früh ist, lohnt sich das Risiko? Nein.“
Die Herausforderung für die Rennleitung besteht darin, die richtige Balance zwischen Sicherheit und dem Wunsch zu finden, das Können der Fahrer bei allen Wetterbedingungen zu demonstrieren. Die Entscheidungen müssen sowohl die Sicherheit der Fahrer als auch den sportlichen Aspekt berücksichtigen, was keine leichte Aufgabe ist, besonders auf einer historischen und anspruchsvollen Strecke wie Spa-Francorchamps.
Die Pole-Position-Herausforderung in Spa
Ein interessantes Phänomen zeigte sich beim Belgien-Wochenende: In beiden Rennen verloren die Pole-Setter ihre Führung auf der langen Geraden bis zur Les Combes-Kurve. Im Sprint überholte Verstappen den führenden Piastri, während im Grand Prix Piastri an Norris vorbeizog.
Beide Situationen waren jedoch unterschiedlich. Im Sprint startete das Feld bei trockenen Bedingungen stehend. Piastri tat, was er konnte, aber Verstappen folgte ihm durch Eau Rouge und überholte ihn im Windschatten bergauf. Verstappen fuhr zudem mit weniger Abtrieb, was ihm auf den Geraden einen Vorteil verschaffte.
Im Grand Prix waren die Bedingungen nass und der Start erfolgte rollend. Norris‘ Neustart warf Fragen auf, wie auch McLaren-Teamchef Andrea Stella bemerkte. Norris startete früh, und Piastri zog mit. Dann machte Norris einen Fehler in La Source, was Piastri noch näher heranbrachte. Piastri sicherte sich den Überholvorgang, indem er – schneller als Norris – durch Eau Rouge fuhr.
Es ist jedoch kein Naturgesetz, dass der Pole-Sitter in Spa die Führung an Les Combes verliert – Charles Leclerc konnte sie im Vorjahr beispielsweise behalten. Die Pole-Position ist ein Vorteil, den ein Fahrer als Belohnung für die schnellste Qualifikationszeit erhält, aber sie garantiert keine Führung am Ende der ersten Runde.


