Der Österreich-Grand-Prix 2025 bot ein spektakuläres Rennen mit klaren Siegern und Verlierern. McLaren dominierte das Wochenende, während Red Bull einen Albtraum auf der Heimstrecke erlebte. Die Rookies sorgten für Schlagzeilen – sowohl positiv als auch negativ. Eine Analyse der Höhen und Tiefen dieses aufregenden Rennwochenendes in der Steiermark.
McLaren und Norris triumphieren in Spielberg
Lando Norris erlebte in Österreich einen perfekten Renntag und fand nach den kritischen Stimmen nach Kanada seine Erlösung. Der Brite wusste, dass er ein fehlerfreies Wochenende abliefern musste, um die Erzählung seiner Saison zu ändern. Mit einer überzeugenden Pole-Position legte er den Grundstein, auch wenn sein Teamkollege Oscar Piastri in Q3 keine zweite schnelle Runde fahren konnte.
Im Rennen behielt Norris trotz enormen Drucks durch Piastri einen kühlen Kopf und sicherte sich seinen dritten Saisonsieg. Besonders bemerkenswert: McLaren blieb seinem Versprechen treu und ließ beide Fahrer frei gegeneinander kämpfen, selbst nach Piastris ambitioniertem Überholversuch in Kurve 4. Diese Entscheidung bewahrte die Zuschauer vor einem langweiligen Nachmittag mit papaya-farbener Dominanz.
Die McLaren-Leistung in den steirischen Hügeln deutet darauf hin, dass das Team auch bei den kommenden Rennen die Oberhand behalten könnte. Das Momentum ist eindeutig auf ihrer Seite, und die Titelhoffnungen von Norris haben durch diesen Sieg neuen Schwung erhalten.
Red Bulls schwarzer Tag und Ferraris Aufwärtstrend
Für Red Bull wurde das Heimrennen zum Desaster. Max Verstappen konnte seine Rennpace nach dem Qualifying-Rückschlag gar nicht erst unter Beweis stellen, da er bereits in der ersten Runde nach einer Kollision mit Kimi Antonelli ausschied. Yuki Tsunoda setzte seine Niederlagenserie fort und qualifizierte sich nur als 18., während Verstappen den Schaden mit Startplatz sieben noch begrenzen konnte.
Tsunodas Sitz scheint kurzfristig nicht in Gefahr zu sein, da bisherige Besetzungen gezeigt haben, dass der Spielraum für Verbesserungen begrenzt ist. Eine zu frühe Beförderung von Isack Hadjar erscheint ebenfalls nicht sinnvoll. Dennoch sehen die langfristigen Aussichten für den japanischen Fahrer nicht rosig aus.
Ferrari hingegen kann mit neuem Schwung nach Maranello zurückkehren. Als klar bestes Team hinter McLaren zeigte die Scuderia, dass der neue Unterboden funktioniert – ganz im Gegensatz zum missglückten Upgrade von 2024, das das Team damals in eine Abwärtsspirale schickte. Charles Leclerc konnte zwar Piastri nicht widerstehen, aber der dritte Platz fühlte sich angesichts der McLaren-Dominanz wie ein kleiner Sieg an. Auch Lewis Hamilton hatte in Rot sein bisher stärkstes Rennen, trotz einiger Probleme mit der Bremse und der Balance.
Überblick der Teamleistungen in Spielberg
| Team | Performance | Highlights |
|---|---|---|
| McLaren | Herausragend | Doppel-Podium, klare Dominanz |
| Ferrari | Stark | Bestes Team hinter McLaren, erfolgreicher Unterboden |
| Red Bull | Enttäuschend | Verstappen-Ausfall, Tsunoda außerhalb der Punkte |
| Mercedes | Unterdurchschnittlich | Überhitzungsprobleme, Antonelli-Fehler |
| Sauber | Positiv überraschend | Bortoleto erste Punkte, Hulkenberg in Top 10 |
Rookies im Rampenlicht: Höhen und Tiefen
Die Formel-1-Neulinge erlebten in Österreich ein Wochenende voller Kontraste. Zwei Wochen nach seinem sensationellen Podiumsplatz in Montreal als drittjüngster Fahrer der F1-Geschichte erlebte Kimi Antonelli die Kehrseite der Medaille. Sein kostspieliger Fehler in der ersten Runde, der Verstappen aus dem Rennen nahm, zeigt die unvermeidliche Inkonstanz, die eine Rookie-Saison prägt. Zu harsch sollte der 18-Jährige nicht beurteilt werden, aber der Vorfall überschattete das Mercedes-Wochenende.
George Russell musste die Kohlen für Mercedes aus dem Feuer holen, erreichte aber nur einen einsamen fünften Platz. Das Team litt unter seinen typischen Überhitzungsproblemen auf einer heißen und abrasiven Strecke. Russell bezeichnete den Österreich-Grand-Prix als „perfekten Sturm“ für das Team, da es mit einer feurigen Mischung aus allem konfrontiert wurde, was der 2025er Mercedes nicht mag.
Die Rookies, die positiv überraschten, waren:
- Gabriel Bortoleto, der endlich seine ersten Punkte für Sauber holte und auf Platz acht landete
- Liam Lawson, der trotz weniger Sitzzeit im VCARB 02 stetig besser wurde und in Österreich glänzte
- Franco Colapinto, der trotz eines Zusammenstoßes mit Tsunoda Potential zeigte
Besonders Bortoleto hat in dieser Saison stillschweigend alle bei Sauber und auch bei Konkurrenzteams beeindruckt. Teamchef Jonathan Wheatley bezeichnete Bortoletos Durchbruch als unvermeidlich, und der Brasilianer selbst konnte seine Erleichterung nicht verbergen, da der Mangel an Ergebnissen ihn zu belasten schien.
Verpasste Chancen und unerwartete Helden
Williams verpasste erneut eine perfekte Gelegenheit, ordentliche Punkte zu sammeln, nachdem die frühen Ausfälle von Verstappen und Antonelli die Top 10 geöffnet hatten. Das Team glaubt, dass zwei verschiedene technische Probleme Carlos Sainz schon vor dem Rennstart trafen und zu Alex Albons zweitem Ausfall in aufeinanderfolgenden Rennen führten – wobei Albons Problem dem in Montreal ähnlich erschien.
Plötzlich sieht der Vorsprung von Williams in der Konstrukteurswertschaft nicht mehr so komfortabel aus. Mit Konkurrenten, die in der Entwicklung aufholen, stellt sich die Frage: Ist der Kampf um Platz fünf tatsächlich eröffnet?
Lance Stroll erlebte ein weiteres enttäuschendes Wochenende. Seine Freitagsform erwies sich als Fata Morgana. Obwohl das Aston-Martin-Auto an Sonntagen generell schwächer ist, war der Unterschied zu einem kämpferischen Fernando Alonso sowohl am Samstag als auch am Sonntag bemerkenswert.
Eine (un)ehrenhafte Erwähnung verdient auch Alpine. Das Team hat eindeutig Tempo im Auto, tut sich aber schwer, es sonntags zu nutzen. Pierre Gasly kämpfte mit einem nach Schäden unfahrbaren Auto, während Franco Colapinto ungeschickt mit Tsunoda kollidierte. Flavio Briatore bezeichnete die Leistung als „zunehmend besorgniserregend“ in Alpines erfrischend offener Pressemitteilung.
Liam Lawson hingegen bewies seine Klasse. Nach einer kurzen Red-Bull-Zeit und der Rückkehr zu Racing Bulls, wo er auf einen bereits gut eingespielten Isack Hadjar traf, hat er sich kontinuierlich verbessert. In Österreich qualifizierte er sich als Sechster und behauptete diese Position durch eine schwierige Ein-Stopp-Strategie – unterstützt durch das ausgezeichnete Reifenmanagement von Racing Bulls, das bereits in Barcelona Früchte getragen hatte.


