In der Formel 1 wird der zweite Sitz bei Red Bull oft als vergifteter Kelch bezeichnet. Die jüngsten Fahrerwechsel zwischen Yuki Tsunoda und Liam Lawson verdeutlichen die Herausforderungen, mit denen beide Piloten konfrontiert sind. Nach nur zwei Grands Prix 2025 wurde Lawson durch Tsunoda ersetzt – ein überraschender Schritt, nachdem Red Bull den Japaner erst fünf Monate zuvor abgelehnt hatte.
Die unberechenbare Herausforderung des RB21
Tsunodas Traum, für Red Bull zu fahren, erfüllte sich unter komplizierten Umständen. Seine anfängliche Begeisterung wich schnell der harten Realität. Im Simulator hatte er ein gutes Gefühl für den RB21 entwickelt und sogar von einem Podiumsplatz in Suzuka geträumt. Doch in der Praxis traf er auf die gleichen Schwierigkeiten wie seine Vorgänger.
Der RB21 zeigt ein unberechenbares Fahrverhalten am Limit und verfügt über ein sehr kleines Setup-Fenster. Tsunoda kämpft besonders mit der Vorhersehbarkeit des Fahrzeugs, was in Qualifying-Situationen besonders problematisch ist. Je näher er an die Grenzen des Autos geht, desto höher wird das Risiko eines Fehlers – wie seine Unfälle in Dschidda und Imola zeigen.
Der Crash in Imola ist besonders aufschlussreich. Tsunoda gab zu, dass er die Unberechenbarkeit des RB21 unterschätzt hatte: „In den letzten Jahren mit Racing Bulls wusste ich, was passieren würde – ich musste nicht einmal viel darüber nachdenken. Ich reagierte natürlich und fuhr schnell. Diese Dinge werden mit der Zeit kommen. Der Vorfall in Imola hat mir gezeigt, wie viel ich noch über den Red Bull verstehen muss.“
Selbst ohne die neuesten Upgrades in den letzten drei Rennen – bedingt durch seinen Unfall in Imola – zeigt sich ein deutlicher Trend. In sieben Runden hat Tsunoda nur 10 Punkte geholt, weit weniger als vom Team erhofft.
Lawsons Kampf mit der Qualifying-Performance
Während Tsunoda sich mit dem anspruchsvollen Red Bull auseinandersetzt, kämpft Lawson bei Racing Bulls mit anderen Problemen. Der VCARB ist für ein Mittelfeld-Team durchaus schnell und relativ gutmütig – was besonders beim beeindruckenden Rookie Isack Hadjar deutlich wird.
Lawsons Hauptproblem liegt nicht im mangelnden Vertrauen ins Auto, sondern in der Umsetzung einer sauberen Leistung, besonders im Qualifying. Die Daten zeigen eine durchschnittliche Qualifikationslücke von etwa dreieinhalb Zehnteln zu Hadjar. Nur in Saudi-Arabien war der Neuseeländer schneller, konnte jedoch keine Punkte erzielen.
| Fahrer | Aktuelle Herausforderung | Hauptproblem |
|---|---|---|
| Yuki Tsunoda | Red Bull RB21 | Unvorhersehbares Fahrverhalten |
| Liam Lawson | Racing Bulls VCARB | Qualifying-Performance |
Lawson selbst gibt zu: „In Monaco haben wir uns vom freien Training an verbessert und uns in eine gute Position für das Qualifying gebracht. Aber ich würde nicht sagen, dass ich während des Wochenendes etwas anderes gefühlt habe. Es war nicht so, dass plötzlich etwas in mir klickte. Dieses Gefühl war in jedem Rennen da. Es war einfach ein sauberes Wochenende – das erste in der ganzen Saison.“
Der durchschnittliche Rückstand von drei Zehntelsekunden ist im engen Mittelfeld entscheidend. Selbst mit gutem Rennrhythmus wird das Aufholen schwierig, da Überholmanöver auf der Strecke komplizierter sind. Für Lawsons Zukunft scheint ein deutlicher Fortschritt unerlässlich.
Zwei Fahrer, ähnliche Probleme, unterschiedliche Ursachen
Interessanterweise beträgt der Unterschied zwischen den besten Rundenzeiten von Tsunoda und Lawson insgesamt nur zwei Zehntel – kleiner als die Lücke zwischen Lawson und Hadjar. Dies bestätigt, wie schwierig der Red Bull zu handhaben ist, zumal Lawson seit dem Sitzwechsel viermal vor Tsunoda gestartet ist.
Die Herausforderungen der beiden Fahrer lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Tsunoda muss verstehen, wie der RB21 am Limit reagiert
- Lawson muss konsistente Qualifying-Runden liefern
- Beide kämpfen mit dem Druck, sich in einem leistungsorientierten Umfeld zu beweisen
- Die Vergleiche mit Teamkollegen (Verstappen bei Red Bull, Hadjar bei Racing Bulls) sind herausfordernd
Tsunodas schwieriges Qualifying in Spanien zeigt die Problematik exemplarisch: Mit Gripverlust kämpfend, verlor er sich in Setup-Anpassungen und war im entscheidenden Moment der Langsamste. Für Kanada kündigte er einen neuen Ansatz im Simulator an: „Es ist etwas, das wir versuchen werden. Ich freue mich darauf und hoffe, dass es einen Unterschied machen kann. Es kann nicht schlimmer werden – also schauen wir mal.“
Die Lehren aus dem unerwarteten Sitzwechsel
Der Fall von Tsunoda und Lawson verdeutlicht ein grundlegendes Dilemma im Red-Bull-Programm. Die Erwartung an den zweiten Fahrer bei Red Bull ist nicht, Weltmeister Max Verstappen zu schlagen oder einzuholen – wie Helmut Marko oft betont. Die Aufgabe besteht darin, innerhalb eines akzeptablen Zeitrückstands zu bleiben und Punkte für die Konstrukteurswertung zu sammeln.
Dennoch erscheint selbst diese bescheidenere Anforderung oft als unmögliche Aufgabe. Die häufigen Fahrerwechsel sind zum Standard geworden – eine Frage des „Wann“ statt des „Ob“. Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen: Die Schwierigkeit, das theoretische Potenzial des Autos auszuschöpfen.
Für beide Fahrer ist diese Situation ein harter Lernprozess. Tsunoda muss sich an ein unberechenbares Auto gewöhnen, während Lawson versucht, die Sicherheiten wiederzugewinnen, die er in wenigen Monaten verloren hat. Der Sitzwechsel erscheint mehr als Pflaster-Lösung denn als langfristige Strategie.
Die kommenden Rennen werden zeigen, ob Tsunoda die Eigenheiten des Red Bull meistern und ob Lawson seine Qualifying-Probleme überwinden kann. Für beide steht viel auf dem Spiel in einem Umfeld, das für seine unbarmherzigen Leistungserwartungen bekannt ist.


