1980 Audi 4000 Automatiktest : fünf Gänge im Praxischeck

1980 Audi 4000 Automatiktest : fünf Gänge im Praxischeck

Die Audi 4000 Limousine mit Fünfzylinder-Motor und Automatikgetriebe positionierte sich 1980 in einem anspruchsvollen Marktsegment. Während japanische Hersteller günstigere Preise boten und amerikanische X-Car-Modelle mit besserer Kraftstoffeffizienz punkteten, setzte der deutsche Hersteller auf eine andere Strategie. Die kompakte Limousine richtete sich an Käufer, die Wert auf deutsche Ingenieurskunst legten und bereit waren, dafür einen Aufpreis zu zahlen. Das Fahrzeug startete bei einem Grundpreis von 10.150 Dollar, konnte jedoch mit verschiedenen Ausstattungsoptionen schnell die 13.000-Dollar-Marke erreichen.

Der Motorraum präsentierte sich als technisches Schaufenster mit Aluminium und Edelstahl, was einen deutlichen Kontrast zu Konkurrenten mit Gusseisen und Vergasern bildete. Diese puristische Designphilosophie spiegelte sich auch in der Karosseriegestaltung wider, die so straff wirkte, dass selbst BMW 320i und Mercedes 280E daneben üppig erschienen. Mit diesem athletischen Erscheinungsbild verkörperte das Modell den damaligen Trend zu physischer Fitness und schlanken Linien.

Der 2,1-Liter-Fünfzylinder im Praxiseinsatz

Das Herzstück der Automatik-Variante bildete ein Fünfzylinder-Aggregat mit 2,1 Litern Hubraum, das vom größeren 5000-Modell übernommen wurde. Dieser Reihenmotor mit Kraftstoffeinspritzung leistete 100 PS bei 5.100 Umdrehungen pro Minute. Die ungewöhnliche Zylinderkonfiguration erzeugte im Leerlauf charakteristische Vibrationen, die zwischen der Rauheit des Vierzylinders und der Laufruhe des 5000 lagen. Sobald das Gaspedal gedrückt wurde, entfaltete das Triebwerk jedoch seine volle Klangkulisse.

Die RAM-Ansauganlage sorgte für eine beeindruckende Leistungsentfaltung. Das Automatikgetriebe schaltete präzise kurz nach dem Leistungsmaximum hoch, was zu spürbaren Beschleunigungsvorteilen führte. Die Sprints fielen messbar besser aus als beim Standardmodell. Besonders im Stadtverkehr machte sich die Kombination aus durchdrehfreudiger Drehmomentwandler und automatischen Rückschaltungen bei Vollgas positiv bemerkbar. Das Fahrzeug zeigte sich agiler als die meisten Vierzylinder-Konkurrenten, auch wenn es nicht zur absoluten Spitzenklasse gehörte.

Leistungsdaten Vierzylinder manuell Fünfzylinder Automatik
0-60 mph 13,3 Sekunden 12,2 Sekunden
Viertelmeile 19,0 Sekunden 18,5 Sekunden bei 73 mph
Kraftstoffverbrauch 22 mpg 20 mpg
Höchstgeschwindigkeit 100 mph

Der Mehrverbrauch von lediglich zwei Meilen pro Gallone fiel erstaunlich gering aus. Diese Effizienz demonstrierte die ausgeklügelte Abstimmung zwischen Motor und Dreigang-Automatik. Das Leergewicht von 2.580 Pfund blieb trotz stärkerem Motor und zusätzlicher Servolenkung im moderaten Bereich, was zur akzeptablen Kraftstoffbilanz beitrug.

Fahrwerkabstimmung mit Optimierungsbedarf

Die Fahrwerksabstimmung sollte theoretisch an den schwereren Motor angepasst worden sein, doch in der Praxis blieb dies kaum spürbar. Die Firestone-Reifen mit 60er-Serie zeigten auf dem Testoval einen mittelmäßigen Wert von 0,73 g. Diese Bereifung erzeugte über Unebenheiten charakteristische Geräusche, absorbierte Schlaglöcher jedoch erstaunlich effektiv, ohne Stöße in den Innenraum zu übertragen. Die Stoßdämpfer trugen maßgeblich zu diesem komfortablen Fahrverhalten bei.

Auf welligen Landstraßen offenbarten sich jedoch deutliche Schwächen. Die weiche Dämpfung ließ die Vorderachse zu frei durch ihren Federweg wandern, was zu einem unangenehmen Nebeneffekt führte. Beim Überfahren von Kuppen hob sich die Fahrzeugnase und schwenkte nach links. Beim Zurückfedern durchlief die Karosserie eine mittlere Position und richtete sich nach rechts aus. Diese korkenzieherartige Bewegung resultierte in einem linear verlaufenden Gesamtkurs, wobei die Karosserie jedoch ständig in verschiedene Richtungen wies.

Dieses Phänomen entstand durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren :

  • Die ausgeprägte Kopflastigkeit des Fahrzeugs durch den frontmontierten Motor
  • Die zu nachgiebige Dämpferabstimmung mit übermäßigen Bewegungen
  • Geometrische Ungenauigkeiten zwischen Lenkgestänge und Vorderachskonstruktion
  • Der sogenannte Bump-Steer-Effekt bei vertikalen Radbewegungen

Positionierung im Wettbewerbsumfeld

Das Modell suchte seinen Platz zwischen etablierten Konkurrenten. Volvo-Fahrzeuge übertrafen die Beschleunigungswerte, während das Preissegment von zahlreichen japanischen Limousinen unterboten wurde. Der Mazda 626 oder Chevrolet Citation kamen für die Zielgruppe dennoch nicht in Frage, da diese ausschließlich deutsche Ingenieurskunst schätzten. Die Türen schlossen mit einer Präzision, die an Verschlussmechanismen erinnerte und das Qualitätsversprechen unterstrich.

Die treue Käuferschicht akzeptierte bewusst, dass die technische Eleganz ihren Preis hatte. Der Radstand von 100 Zoll und die Gesamtlänge von 176,6 Zoll definierten kompakte Abmessungen. Der Bremsweg von 201 Fuß aus 70 mph erwies sich als durchschnittlich für die Fahrzeugklasse. Die Vordersitze hätten mehr Oberschenkelunterstützung vertragen können, ein Aspekt, der bei zukünftigen Iterationen Beachtung finden sollte.

Für das Modelljahr 1981 kündigte der Hersteller eine Fünfgang-Schaltgetriebeversion an, die sportlicheren Fahrern entgegenkommen sollte. Diese Käufergruppe verdiente ein perfektioniertes Fahrwerk mit strafferen Dämpfern und eliminiertem Ride-Steer-Effekt. Die Automatikversion erfüllte ihren Zweck für jene Kunden, die aktuell deutsche Automobilkultur suchten und Komfort über Sportlichkeit stellten. Das Fahrzeug bewies, dass ein Fünfzylinder-Konzept funktionieren konnte, auch wenn technische Verfeinerungen wünschenswert blieben.

Sophia
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