Audis CEO soll angeblich viele Kritiker haben : Interner Widerstand in der Führungsebene wächst

Audis CEO soll angeblich viele Kritiker haben : Interner Widerstand in der Führungsebene wächst

Seit seiner Ernennung zum CEO von Audi steht Gernot Döllner im Zentrum heftiger interner Kritik. Das deutsche Manager Magazin veröffentlichte kürzlich einen Artikel mit dem provokanten Titel „Das brutale Regime des Audi-Chefs Gernot Döllner“, der die angespannte Atmosphäre in der Führungsetage des Premiumherstellers beleuchtet. Die Grafik zum Artikel zeigt eine rote Kappe mit der Aufschrift „Make Audi Great Again“ – eine kaum verhüllte Anspielung auf einen autoritären Führungsstil, der innerhalb des Unternehmens für Unmut sorgt.

Der umstrittene Führungsstil des Audi-CEOs

Gernot Döllner, der zuvor bei Porsche tätig war und keine Vorstandserfahrung bei Audi hatte, wird von Kritikern als selbstherrlich und autokratisch beschrieben. Ein ehemaliger hochrangiger Kollege wird mit den Worten zitiert: „Döllner packt seine Leute nicht am Herzen. Er packt sie an der Kehle.“ Diese drastische Beschreibung spiegelt die wachsenden Spannungen wider, die seine Amtszeit kennzeichnen.

Betriebsratsvorsitzender Jörg Schlagbauer hatte Döllner zunächst als „Mann, der Dinge erledigt“ beschrieben und ihm attestiert, dass er „einen Plan hat“. In privaten Kreisen soll er jedoch auch kritisch sein: Döllner „tritt gelegentlich mit seinen Handlungen, seinem Verhalten und seinen Worten fehl“, wie ein Kollege ihn zitierte.

Ein Vorstandsmitglied ergänzte, dass Döllner anfangs nicht verstanden habe, „dass man als CEO nur der Erste unter Gleichen ist“. Diese Einschätzung deutet auf ein grundlegendes Problem in Döllners Verständnis seiner Rolle hin, das zu erheblichen Reibungen in der Führungsebene führt.

Die internen Konflikte manifestieren sich besonders in zwei umstrittenen Entscheidungen: der Rückkehr-zur-Büro-Politik und einem problematischen Software-Projekt. Beim Thema Homeoffice soll Döllner den Widerstand des Betriebsratsvorsitzenden ignoriert und stattdessen ein Quotensystem eingeführt haben, das Abteilungsleiter unter Druck setzt, ihre Teams ins Büro zu bringen.

Kritikpunkte an Döllners Führungsstil Auswirkungen
Autokratisches Auftreten Wachsende interne Opposition
Fehlende Erfahrung bei Audi Mangelndes Vertrauen der Belegschaft
Umstrittene Bürorückkehr-Politik Konflikte mit dem Betriebsrat
Probleme bei Software-Projekten Milliardenschwere Mehrkosten

Software-Probleme und Milliardenkosten

Ein besonders kritischer Punkt in Döllners Amtszeit ist die Integration von Rivian-Software in Volkswagen-Fahrzeuge. Während diese für Elektrofahrzeuge funktionieren soll, gibt es bei Verbrennungsmotoren offenbar erhebliche Schwierigkeiten. Laut Manager Magazin untersucht Audi derzeit ein Projekt der Applied Technology namens „Nova“, das zwischen 2 und 3 Milliarden Euro für die zukünftige ICE-Software-Integration kosten könnte.

Diese Software-Problematik hat drei mögliche Lösungsansätze, die alle mit hohen Kosten verbunden sind:

  1. Fortführung des „Nova“-Projekts trotz enormer Zusatzkosten
  2. Zeitaufwändige Anpassungen der Rivian-Architektur
  3. Weiternutzung der bestehenden Software für Verbrennungsmotoren mit minimalen Änderungen

Für Döllners Kritiker ist dieses Software-Dilemma eine Quelle der Schadenfreude. Ein hochrangiger Vertriebsmitarbeiter spottete: „Ich habe noch nie einen Automobilmanager getroffen, der alles kann. Döllner hingegen glaubt, er wisse alles am besten, von der Entwicklung bis zum Vertrieb.“ Diese Einstellung wird als Hybris betrachtet, die dem Unternehmen in einer wirtschaftlich prekären Situation schadet.

Besonders brisant sind Berichte über ein Verkaufsplanungstreffen, bei dem es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen sein soll. Obwohl offiziell behauptet wird, das Treffen sei friedlich verlaufen, kursieren innerhalb von Audi verschiedene Versionen: Von fliegenden Gegenständen über Handgreiflichkeiten bis hin zu alarmierter Werkssicherheit. Diese Gerüchte, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt, illustrieren die zerrüttete Unternehmenskultur unter Döllners Führung.

Parallelen zu anderen Automobilherstellern und Führungskrisen

Die Situation bei Audi ist kein Einzelfall in der Automobilindustrie. Auch bei Ford steht das Management in der Kritik, nachdem es eine Rückkehr-ins-Büro-Politik für mindestens vier Tage pro Woche angekündigt hat. Diese Entscheidung betrifft einen Großteil der weltweiten Angestellten des Unternehmens und soll ab dem 1. September in Kraft treten.

Ein Ford-Sprecher erklärte: „Wir glauben, dass die tägliche Zusammenarbeit vor Ort dazu beitragen wird, Fords Transformation in ein Unternehmen mit höherem Wachstum, höheren Margen, weniger Zyklizität und mehr Dynamik zu beschleunigen.“ Diese Begründung steht jedoch im Widerspruch zu Daten des Bureau of Labor Statistics, die zeigen, dass die Produktivität in 61 Branchen zwischen 2019 und 2021 mit zunehmender Telearbeit gestiegen ist.

Autoritäre Führungsstile, wie sie Döllner zugeschrieben werden, scheinen in der modernen Automobilindustrie zunehmend anachronistisch. Während sie in der Ära Ferdinand Piëchs bei Volkswagen noch funktionieren mochten, sind diese Zeiten längst vorbei. Die heutigen Herausforderungen erfordern kollaborative Ansätze und eine Führung, die auf Vertrauen statt auf Kontrolle setzt.

  • Autokratische Führungsstile stoßen auf wachsenden Widerstand
  • Remote-Arbeit hat nachweislich die Produktivität in vielen Branchen gesteigert
  • Moderne Unternehmensführung erfordert Kollaboration statt Kontrolle
  • Technologische Transformationen benötigen breite interne Unterstützung

Zukunftsperspektiven für Audi unter Döllners Führung

Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob Döllner seine Position als CEO von Audi langfristig halten kann. Im Manager Magazin heißt es, dass wiederholt bestimmte Daten im Umlauf waren, an denen Gernot Döllner angeblich seine Position als CEO verlieren würde. Seine Kritiker hofften auf eine Ablösung und erwarteten einen Coup.

Für Audi kommt diese interne Unruhe zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Premiumhersteller steht vor enormen Herausforderungen: die Transformation zur Elektromobilität, Software-Integration und wachsender Wettbewerbsdruck, besonders aus China. In dieser Situation braucht das Unternehmen eine geeinte Führung mit breiter interner Unterstützung.

Die Geschichte zeigt, dass selbst die charismatischsten Führungspersönlichkeiten ohne Unterstützung aus den eigenen Reihen letztlich scheitern. Ferdinand Piëch, oft als autoritärer aber erfolgreicher Manager zitiert, verstand es trotz seines strengen Führungsstils, Schlüsselpersonen im Unternehmen hinter sich zu versammeln. Diese Fähigkeit scheint Döllner bisher zu fehlen.

Ob Audi unter seiner Führung wieder zu alter Stärke zurückfinden kann, hängt davon ab, ob er seinen Führungsstil anpassen und die internen Kritiker überzeugen kann. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die „Make Audi Great Again“-Kappe mehr als nur eine ironische Anspielung bleibt.

Ben richter
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