Adrian Newey warnt : Aston Martins F1-Ambitionen durch „schwache Werkzeuge“ möglicherweise behindert

Adrian Newey warnt : Aston Martins F1-Ambitionen durch "schwache Werkzeuge" möglicherweise behindert

Adrian Newey, der renommierte Formel-1-Designer, hat kürzlich Bedenken bezüglich der Ambitionen von Aston Martin geäußert. Der 65-jährige Brite, der im März zum Team stieß, identifizierte bei seinem ersten Grand-Prix-Wochenende mit dem Team in Monaco einige „schwache Werkzeuge“, die den Fortschritt des Teams behindern könnten. Seine Einschätzung wirft ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen das ambitionierte F1-Team konfrontiert ist.

Die kritischen Infrastrukturlücken bei Aston Martin

Newey hat spezifische Bereiche identifiziert, in denen Aston Martin hinterherhinkt. Besonders kritisch bewertete er den Fahrsimulator des Teams, den er als „überhaupt nicht korrelierend“ bezeichnete. „Einige unserer Werkzeuge sind schwach. Besonders der Driver-in-the-Loop-Simulator benötigt viel Arbeit, da er momentan überhaupt nicht korreliert, was ein fundamentales Forschungsinstrument ist“, erklärte Newey während des Monaco-Wochenendes.

Die Behebung dieser technischen Defizite wird Zeit in Anspruch nehmen. Newey schätzt, dass die Verbesserung des Simulators „wahrscheinlich ein zweijähriges Projekt“ sein wird. Diese Aussage dämpft die Erwartungen an schnelle Erfolge, trotz der beträchtlichen Investitionen des Teams.

Die technischen Herausforderungen stehen im Kontrast zu den modernen Einrichtungen, die Aston Martin an seiner Basis in Silverstone errichtet hat. Obwohl das Team in eine neue Fabrik investiert hat, zeigt Neweys Kritik, dass Infrastruktur allein nicht ausreicht, um in der Formel 1 konkurrenzfähig zu sein.

Aktuelle Position Hauptprobleme Geschätzte Lösungszeit
7. Platz Konstrukteurswertung Unzureichender Simulator Circa 2 Jahre
Unterdurchschnittliche Leistung 2025 Organisationsstruktur Keine klare Zeitangabe

Teamstruktur und historisches Erbe

Ein weiterer Aspekt, den Newey ansprach, betrifft die Organisationsstruktur des Teams. „Es gibt viele individuell sehr, sehr gute Leute. Wir müssen nur versuchen, sie zusammenzubringen, vielleicht in einer etwas besser organisierten Weise“, erläuterte der Designexperte. Diese Aussage reflektiert die Herausforderungen, die mit dem raschen Wachstum des Teams verbunden sind.

Die historische Entwicklung von Aston Martin spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das Team hat seine Wurzeln im Jordan-Team, das später zu Force India und Racing Point wurde. Newey beschreibt die Transformation als Übergang von einem „kleinen, aber leicht überperformenden Team zu einem sehr großen Team, das in diesem Jahr die Wahrheit gesagt unterperformt hat“.

Diese evolutionäre Geschichte erklärt teilweise die aktuellen Schwierigkeiten. Die schnelle Expansion hat nicht mit der Entwicklung entsprechender Strukturen und Prozesse Schritt gehalten. Die Herausforderungen bei Aston Martin zeigen die Komplexität beim Aufbau eines konkurrenzfähigen Formel-1-Teams:

  • Integration verschiedener Teamkulturen
  • Aufbau effektiver Kommunikationsstrukturen
  • Etablierung funktionierender Entwicklungsprozesse
  • Optimierung technischer Werkzeuge und Methoden
  • Entwicklung einer gemeinsamen strategischen Vision

Fahrerperspektiven und Zukunftsaussichten

Ein positiver Aspekt für Newey ist die Zusammenarbeit mit Fernando Alonso. Der zweifache Weltmeister wurde von Newey als „cooler Charakter“ beschrieben. „Fernando war viele Jahre lang ein Gegner, zusammen mit Lewis. Ich habe früher gesagt, dass man nur mit so vielen Fahrern arbeiten kann, aber zwei Fahrer, mit denen ich immer arbeiten wollte, waren Lewis und Fernando“, offenbarte Newey.

Diese Aussage unterstreicht Neweys Wertschätzung für Alonsos Fähigkeiten und deutet auf eine vielversprechende Zusammenarbeit hin. Gleichzeitig verteidigte er auch Lance Stroll, den Sohn des Teambesitzers Lawrence Stroll, und meinte, dieser habe „im Durchschnitt einen unfair schlechten Ruf“. Newey betonte: „Jeder Fahrer, der die Formel 1 erreicht, ist eindeutig sehr gut.“

Bezüglich Gerüchten über eine mögliche Verpflichtung von Max Verstappen, mit dem Newey bei Red Bull zusammenarbeitete, blieb der Designer realistisch: „Wenn wir jemals Max anziehen wollen, müssen wir zuerst ein schnelles Auto bauen.“ Auf die Frage, wann Aston Martin dazu in der Lage sein könnte, antwortete er, er habe „keine Ahnung“.

Das 2026er Regelwerk als Chance für Neuanfang

Newey konzentriert sich derzeit vollständig auf die Entwicklung des Aston Martin 2026, der nach den neuen Chassis- und Motorenregeln konstruiert wird. Diese Regeln bringen signifikante Änderungen mit sich, darunter einen erhöhten elektrischen Leistungsanteil von etwa 50% im Hybridmotor sowie bewegliche Frontflügel und Heckflügel.

Seine anfänglichen Bedenken bezüglich der Einschränkungen durch die neuen Regeln haben sich teilweise gelegt: „Als ich mir die 2026er Regeln zum ersten Mal ansah, war meine erste Reaktion: ‚Gott, das lässt nicht viel Spielraum.‘ Aber dann beginnt man, in die Details einzutauchen, und es gibt einen vernünftigen Spielraum für Flexibilität.“

Die Partnerschaft mit Honda, die 2026 als Werksteam bei Aston Martin einsteigen wird, könnte einen entscheidenden Vorteil darstellen. Die japanische Marke bringt umfangreiche Erfahrung mit Hybridantrieben mit, was für die neuen Motorenregeln von großer Bedeutung sein wird.

Neweys intensive Arbeitsweise könnte bei dieser Herausforderung entscheidend sein. Er beschrieb seinen Arbeitsstil: „Meine Frau sagt, ich gerate in eine Art Design-Trance. Wenn ich in eine Phase intensiver Konzentration eintrete, neige ich dazu, nicht nach links und rechts zu schauen. Meine ganze Verarbeitungsleistung fließt in den einen Bereich: mit allen zusammenzuarbeiten, um ein schnelles Rennauto zu entwickeln.“

Ben richter
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